Wirtschaftsentwicklung und Wirtschaftsförderung „made in Germany“

Unter diesem Motto hätte die Fortbildung für kirgisische Führungskräfte stehen können, die die DMAN im Rahmen des Managerfortbildungsprogramms des BMWi vom 13. März bis 7. April 2017 in Celle durchführte.

Die 12 Direktoren, die meist auch gleichzeitig die Inhaber der Firmen waren, vertraten unterschiedlichste kleine und mittelständische Unternehmen, vorwiegend aus Bischkek. Das Branchenspektrum reichte von Lebensmitteln über Bauwesen, Textilherstellung, Druckerei, Gas- und Öl bis hin zur Rosenzucht.

Dementsprechend bunt waren die einzelnen Interessen der Teilnehmer. Alle wollten jedoch deutsche Produkte, Anlagen oder Maschinen kaufen. Sie waren ernsthaft an der Entwicklung bilateraler Wirtschaftsbeziehungen interessiert und wollten dafür ihr Wissen über die Wirtschaftsentwicklung und die politischen Mechanismen in Deutschland erweitern. Wirtschaftsförderung und kommunale Projektentwicklung standen ebenfalls ganz oben auf der Agenda.

Dafür boten sich während der Fortbildung die unterschiedlichsten Gelegenheiten. Schon die Diskussionen mit Vertretern der Stadt Celle und der IHK Lüneburg gaben wichtige praktische Informationen und Impulse. Und gleich der erste Unternehmensbesuch führte die Gruppe nach Hamburg in die Hafen-City. Am Beispiel des größten Stadtentwicklungsprojekts Europas wurde das Zusammenwirken von öffentlichen, kommunalen und privaten Akteuren von der Planung bis zur Umsetzung plastisch demonstriert.

Besuch in der Hafencity Hamburg

Professionell und äußerst interessant fand Zhipara Raimkulova aus Bischkek die praktischen Beispiele für urbanes Wohnen, ökologische und soziale Nachhaltigkeit der Infrastruktur sowie für die Bildung von Baugenossenschaften im Entstehungsprozess. Offen wurde über die Grundstücksvergabe sowie Wohnungspreise und die Höhe der Mieten diskutiert.

Zhanarbek Omurbekov aus der Stadt Osch fasste seine Eindrücke wie folgt zusammen: „Dieses einzigartige Projekt hat uns gezeigt, was eine gut durchdachte Zusammenarbeit zwischen dem Staat und privaten Investoren möglich macht. Die Kombination von luxuriösen und sozialen Wohnmöglichkeiten gepaart mit einer umfangreichen und perfekt konzipierten Infrastruktur ist aus meiner Sicht ein Traum jeder modernen Stadt der Welt. Interessant ist auch die Herangehensweise an die Vergabe der Grundstücke: Hier gewinnt nicht derjenige, der mehr Geld mitbringt, sondern der, der ein besseres und interessanteres Projekt zeigt. Ein solches Modell ist bei uns noch schwer vorstellbar, aber nun wissen wir, dass es funktioniert.“

Der Besuch der CeBIT in Hannover zählt traditionell zu den besonderen Höhepunkten im März. Die weltweit größte Messe digitaler Lösungen aus der Informations- und Kommunikationstechnik für die Arbeits- und Lebenswelt stand diesmal ganz im Zeichen des Digitalen Wandels und stellte konkrete Anwendungen in den Fokus. Der IT-Fachmann Rysbek Dolodiiarov fand die Gelegenheit, eine derart große und weltberühmte IT-Messe wie die CeBIT zu besuchen, einzigartig. „Die Maßstäbe der Messe sind beeindruckend, ebenso die Unternehmen, die hier ausstellen. Das sind unter anderem Weltmarktführer wie Intel, SAP und IBM, an die man sonst nie so nah herankommt. Auf der anderen Seite gibt es hier viele kleine und mittelständische IT-Unternehmen aus der ganzen Welt und vor allem auch Startups. Das ergibt beste Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen und nützliche Kontakte fürs Geschäft herzustellen.“

Interessante Inspirationen erhielten die Teilnehmer auch bei der HS Anlagenbau GmbH in Stadthagen. Das Unternehmen bietet aus einer Hand die Konzipierung, Beratung und Ausführung von Industrie- und Verbrennungsanlagen an. Überzeugend legte Geschäftsführer Jochen Sembdner die systematische und konzeptionelle Ausarbeitung des Umweltkonzeptes der Firma dar. Elvira Borombajeva aus Bischkek fand, dass „dieses für deutsche Verhältnisse junge Unternehmen in einer sehr interessanten Nische arbeitet. Die Idee, aus Müll Geld zu machen, ist für uns nicht neu, aber die Professionalität und Sorgfalt, mit der diese Firma an die Sache herangeht, beeindruckt. Das Modell eines Generalunternehmers, der für den Endkunden zahlreiche Dienstleister und Lieferanten unter einem Dach verbindet, wird hier perfekt umgesetzt. Höchst interessant erscheint auch die Zusammenarbeit mit Universitäten vor Ort zwecks Ausbildung professioneller Nachwuchskräfte für die Arbeit mit eigenen Anlagen. Das ist eine sehr kluge Strategie, um den ausländischen Markt zu durchdringen.“ Mit dem Besuch wurde der Grundstein für eine künftige Zusammenarbeit mit dem Verband der Kleinen Wasserkraftwerke Kirgisistans gelegt.

Unternehmensbesuch bei der Dürkopp Adler AG in Bielefeld

Die Dürkopp Adler AG in Bielefeld präsentierte sich als eine traditionsreiche Nähmaschinenfabrik, die heute weltweit mit modernsten Service- und Vertriebsorganisationen operiert. Ziel des Unternehmens ist es, die Automatisierung von Fertigungsabläufen zu perfektionieren und gleichzeitig ein Höchstmaß von flexiblen Anwendungsmöglichkeiten zu gewährleisten. Zhipara Raimkulova, Geschäftsführerin in der Textilbranche, war begeistert. „Das ist ein tolles Unternehmen mit ganz tollen Produkten. Die Nähmaschinen, die uns präsentiert wurden, beeindrucken durch Qualität und Automatisierungsmöglichkeiten. Mit solchen Maschinen könnten unsere Handwerkerinnen die Qualität ihrer Produkte um ein Mehrfaches steigern und gleichzeitig den Arbeitsaufwand reduzieren. Interessant ist, dass die Firma für den kirgisischen Markt speziell angepasste Preise anbietet. Das macht die Produkte noch attraktiver.“

Begeistert zeigte sich auch Andrei Olfert, Area Sales Manager bei Dürkopp Adler AG, über die „tolle, aufgeschlossene Gruppe, die Interesse an unseren Produkten und einer Zusammenarbeit in Kirgisistan zeigte. Das Land ist ein interessanter Markt für uns. Er ist ständig in Bewegung und hat großes Potential für Wachstum. Wir freuen uns immer auf solche Gruppen und empfangen sie gern in unserem Hause.“ Wieder eine echte Win-Win-Situation.

Ihr Ansprechpartner bei der DMAN

Dr. Ronald Pschierer
Programmleiter

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